
Die Vorhersage von Kaufabsichten ist für KMUs auch ohne Data-Science-Team und sechsstelliges Budget machbar, indem bestehende Werkzeuge wie Excel und Google Analytics strategisch genutzt werden.
- Beginnen Sie mit einer hyper-spezifischen Frage statt mit einem riesigen Datenprojekt (Minimum Viable Prediction).
- Nutzen Sie integrierte Excel-Funktionen, um erste, aussagekräftige Absatzprognosen zu erstellen.
Empfehlung: Prüfen Sie Ihre Prozesse auf DSGVO-Konformität, bevor Sie starten. Die Risiken bei automatisierten Entscheidungen sind hoch und können teure Bussgelder nach sich ziehen.
Als Marketing-Verantwortlicher in einem deutschen KMU kennen Sie die Herausforderung: Sie machen ein Angebot, schalten eine Kampagne, und die Reaktion bleibt aus. Die bittere Wahrheit ist, dass viele Marketing-Anstrengungen ins Leere laufen, weil sie zur falschen Zeit an die falsche Person gerichtet sind. Das Gefühl, potenzielle Kunden zu verlieren, weil man ihre Absichten nicht richtig deuten kann, ist frustrierend und teuer. Der deutsche Einzelhandel ist hart umkämpft und das Kaufverhalten wird immer gezielter, was präzise Prognosen unabdingbar macht.
Die gängige Meinung besagt, dass die Lösung in „Machine Learning“ und „Predictive Analytics“ liegt – Begriffe, die sofort Bilder von teuren Data-Science-Teams und komplexen Software-Plattformen hervorrufen. Man hört von den Notwendigkeiten von „Big Data“ und fühlt sich als KMU mit begrenzten Ressourcen schnell abgehängt. Doch was wäre, wenn dieser Ansatz für Sie der falsche ist? Was, wenn die wahre Kunst nicht darin besteht, auf ein Technologie-Wunder zu warten, sondern darin, die richtigen, kleinen Fragen zu stellen?
Die Antwort liegt in einem Konzept, das wir „Minimum Viable Prediction“ nennen. Statt alles auf einmal zu wollen, konzentrieren Sie sich auf eine einzige, hyper-spezifische Frage und nutzen die Werkzeuge, die Sie bereits besitzen: Excel und Google Analytics. Es geht nicht darum, das Verhalten aller Kunden vorherzusagen, sondern darum, ein konkretes Muster zu erkennen und darauf zu reagieren. Dieser pragmatische Ansatz ermöglicht es Ihnen, erste Erfolge zu erzielen, Risiken zu minimieren und schrittweise eine datengestützte Kultur aufzubauen – ganz ohne ein sechsstelliges Budget.
Dieser Leitfaden ist Ihre praxisnahe Anleitung. Wir führen Sie von der ersten Idee über die konkrete Umsetzung in Excel bis hin zu den entscheidenden, oft übersehenen DSGVO-Aspekten. Sie lernen, wie Sie die richtigen Signale erkennen, wann Ihre bisherigen Reports nicht mehr ausreichen, und wie Sie eine solide Basis für zukünftige, skalierbare Kundenanalysen schaffen.
Um Ihnen eine klare Struktur für diesen praxisorientierten Ansatz zu bieten, haben wir den Artikel in übersichtliche Abschnitte gegliedert. Der folgende Überblick hilft Ihnen, direkt zu den Themen zu navigieren, die für Sie am relevantesten sind.
Inhalt: Ihr Weg zur praxisnahen Kundenprognose
- Warum verlieren Sie 40 % potenzielle Kunden, weil Sie zur falschen Zeit das falsche Angebot machen?
- Wie starte ich mit Machine Learning, wenn ich nur Excel und Google Analytics kenne?
- Soll ich einfache „Wenn-Dann“-Regeln nutzen oder echtes Machine Learning einsetzen?
- Warum riskieren 50 % der Unternehmen DSGVO-Bussgelder bei der Nutzung von Predictive Analytics?
- An welchen 3 Signalen erkenne ich, dass meine bisherigen Reports nicht mehr ausreichen?
- Wie konfiguriere ich Google Analytics 4 und Consent-Banner so, dass ich DSGVO-konform bleibe?
- Wie erstelle ich eine Absatzprognose, wenn ich nur Excel und meine Kassendaten habe?
- Wie bestelle ich die richtige Menge Ware, sodass ich weder Ladenhüter noch Fehlbestände habe?
Warum verlieren Sie 40 % potenzielle Kunden, weil Sie zur falschen Zeit das falsche Angebot machen?
Jeder nicht abgeschlossene Kauf ist ein verlorener Umsatz. Doch oft liegt es nicht am Produkt oder am Preis, sondern am Timing. Ein Kunde, der sich heute für Winterjacken interessiert, wird ein Angebot für Sandalen ignorieren – auch wenn es noch so gut ist. Diese Diskrepanz zwischen Kundenbedürfnis und Unternehmensangebot ist einer der grössten, aber leisesten Umsatzkiller. Ohne ein System, das Kaufabsichten erkennt, agieren Sie im Blindflug. Sie investieren Marketingbudget in Botschaften, die verpuffen, und wundern sich über stagnierende Conversion-Rates.
Die Lösung beginnt nicht mit einer komplexen Software, sondern mit einer einfachen Methode: dem Minimum Viable Prediction (MVPrediction). Anstatt zu versuchen, das gesamte Kundenverhalten zu verstehen, konzentrieren Sie sich auf eine einzige, hyper-spezifische Frage. Zum Beispiel: „Welche Kundengruppe, die in den letzten 30 Tagen Produkt X angesehen hat, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 7 Tagen, wenn wir ihr Angebot Y machen?“ Dieser Ansatz macht das Problem greifbar und lösbar.
Der Schlüssel liegt darin, Muster in Ihren vorhandenen Daten zu finden. Sie müssen nicht bei Null anfangen. Ihre Transaktionsdaten, die Klickpfade in Google Analytics oder sogar saisonale Trends enthalten bereits die Antworten. Es geht darum, diese Daten nicht nur rückblickend zu betrachten, sondern sie für eine gezielte Vorhersage zu nutzen. So verwandeln Sie reaktives Marketing in proaktive, relevante Kundenansprache und verhindern, dass Interessenten zu Konkurrenten abwandern, nur weil Ihr Timing falsch war.
Wie starte ich mit Machine Learning, wenn ich nur Excel und Google Analytics kenne?
Die Vorstellung, mit Machine Learning zu starten, ist oft mit der Annahme verbunden, man müsse programmieren können oder teure Spezialsoftware erwerben. Das ist ein Mythos. Die Wahrheit ist: Wenn Sie mit Excel umgehen können, besitzen Sie bereits ein mächtiges Werkzeug für Ihre ersten Schritte in der Predictive Analytics. Der Trick besteht darin, die richtigen Funktionen für die richtigen Fragen zu nutzen und klein anzufangen.
Google Analytics 4 liefert Ihnen die Rohdaten über das Nutzerverhalten: welche Seiten besucht, welche Produkte geklickt und welche Aktionen durchgeführt werden. Excel wird zu Ihrer Analyse-Zentrale. Moderne Excel-Versionen enthalten Funktionen, die auf Machine-Learning-Algorithmen basieren, ohne dass Sie eine einzige Zeile Code schreiben müssen. Ein hervorragendes Beispiel ist die FORECAST.ETS-Funktion. Sie nutzt einen Algorithmus für exponentielle Glättung, um Saisonalität und Trends in Ihren Verkaufsdaten automatisch zu erkennen und zukünftige Verkäufe vorherzusagen.

Stellen Sie sich vor, Sie exportieren Ihre Verkaufsdaten der letzten zwei Jahre aus Ihrem Kassensystem auf Tagesbasis in eine Excel-Tabelle. Mit wenigen Klicks können Sie Excel anweisen, eine Prognose für das nächste Quartal zu erstellen. Dieses Vorgehen gibt Ihnen ein erstes, greifbares Gefühl dafür, was möglich ist. Sie starten nicht mit einem abstrakten KI-Projekt, sondern mit einer konkreten Aufgabe: der Verbesserung Ihrer Absatzplanung auf Basis von Daten, die Sie bereits haben.
Praxisbeispiel: Saisonale Prognose mit Excel
Die Funktion FORECAST.ETS in Excel ist ideal für den Einzelhandel. Sie kann auf Basis von bis zu 8.760 Datenpunkten (z.B. Stundenumsätze eines ganzen Jahres) automatisch saisonale Spitzen wie das Weihnachtsgeschäft oder Sommerlöcher erkennen. Ein Unternehmen kann so ohne Programmierkenntnisse präzise Vorhersagen für spezifische Produkte erstellen und die Lagerhaltung optimieren.
Soll ich einfache „Wenn-Dann“-Regeln nutzen oder echtes Machine Learning einsetzen?
Diese Frage stellt sich jedes wachsende Unternehmen. „Wenn-Dann“-Regeln sind intuitiv und schnell implementiert. Ein klassisches Beispiel: „WENN ein Kunde den Warenkorb verlässt, DANN sende ihm nach 24 Stunden eine Erinnerungs-E-Mail.“ Solche Regeln sind effektiv, solange die Anzahl der Variablen überschaubar bleibt. Doch was passiert, wenn weitere Faktoren hinzukommen? Das Wetter, die Tageszeit, die bisherige Kaufhistorie, die Herkunft des Besuchers? Schnell entsteht ein undurchschaubares Regelchaos, das mehr verwaltet als nützt.
Hier kommt Machine Learning (ML) ins Spiel. Anstatt starre Regeln vorzugeben, lernt ein ML-Modell aus historischen Daten selbstständig, welche Kombination von Faktoren zu einem bestimmten Ergebnis führt. Es kann komplexe, nicht-lineare Zusammenhänge erkennen, die ein Mensch niemals in eine „Wenn-Dann“-Regel fassen könnte. Die Entscheidung zwischen den beiden Ansätzen ist keine Glaubensfrage, sondern eine strategische Abwägung, die von Ihrer Unternehmensgrösse, Produktvielfalt und Datenhistorie abhängt.
Die folgende Matrix bietet eine pragmatische Entscheidungshilfe für deutsche KMUs. Sie hilft Ihnen einzuschätzen, welcher Ansatz für Ihre aktuelle Situation am besten geeignet ist.
| Kriterium | Wenn-Dann-Regeln | Machine Learning |
|---|---|---|
| Kundenzahl | < 500 Kunden | > 1000 Kunden |
| Produktvarianten | < 10 SKUs | > 50 SKUs |
| Datenhistorie benötigt | 6-12 Monate | 2-3 Jahre minimum |
| Implementierungszeit | 1-2 Wochen | 2-3 Monate |
| Kosten | Minimal (Excel) | Ab 500€/Monat für Tools |
Oft ist die beste Lösung ein hybrider Ansatz. ML-Modelle können die grobe Analyse durchführen und automatisch die Fälle identifizieren, die eine menschliche Überprüfung erfordern. Dieser „ausnahmebasierte“ Arbeitsansatz, wie ihn grosse Logistikdienstleister nutzen, ist auch für KMUs adaptierbar. Das ML-System wird zum Assistenten, der Ihr Team auf die wirklich kritischen Entscheidungen hinweist, während 95 % der Routinefälle automatisch und effizienter als durch starre Regeln abgewickelt werden.
Warum riskieren 50 % der Unternehmen DSGVO-Bussgelder bei der Nutzung von Predictive Analytics?
Die Fähigkeit, Kundenverhalten vorherzusagen, ist mächtig. Doch diese Macht birgt erhebliche rechtliche Risiken, insbesondere in Deutschland. Der Einsatz von Algorithmen zur automatisierten Entscheidungsfindung – zum Beispiel bei der Kreditwürdigkeitsprüfung oder bei personalisierten Preisangeboten – unterliegt strengen Regeln der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Viele Unternehmen sind sich nicht bewusst, dass bereits der unsachgemässe Einsatz von Analyse-Tools zu empfindlichen Strafen führen kann. Es geht nicht nur darum, Daten zu sammeln, sondern auch darum, was man mit ihnen tut.
Ein zentraler Punkt ist Artikel 22 der DSGVO, der das Recht von Personen schützt, nicht einer ausschliesslich auf automatisierter Verarbeitung – einschliesslich Profiling – beruhenden Entscheidung unterworfen zu werden. Wenn Ihr System einem Kunden aufgrund seines prognostizierten Verhaltens automatisch einen Rabatt verweigert oder ihn in eine teurere Preiskategorie einstuft, bewegen Sie sich auf dünnem Eis. Die Konsequenzen sind real: So verhängte beispielsweise die Hamburgische Datenschutzbehörde ein Bussgeld von 492.000 Euro gegen ein Finanzunternehmen wegen intransparenter automatisierter Entscheidungen.
Die Gefahr liegt oft im Detail: fehlende Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung, mangelnde Transparenz gegenüber den Betroffenen über die Logik des Algorithmus oder das Fehlen einer Möglichkeit zum menschlichen Eingreifen. Für KMUs ist es daher unerlässlich, von Anfang an einen DSGVO-konformen Prozess aufzusetzen. Das schützt nicht nur vor Bussgeldern, sondern schafft auch Vertrauen bei Ihren Kunden.
Ihre Checkliste für DSGVO-konforme Predictive Analytics
- Rechtsgrundlage sichern: Dokumentieren Sie für jede Datenverarbeitung die exakte rechtliche Basis (z.B. explizite Einwilligung oder berechtigtes Interesse).
- Datenanonymisierung umsetzen: Entfernen Sie vor dem Training eines ML-Modells konsequent alle direkt identifizierenden Merkmale wie Namen, E-Mail-Adressen oder eindeutige Kunden-IDs.
- Transparenz gewährleisten: Informieren Sie Ihre Nutzer in der Datenschutzerklärung klar und verständlich darüber, dass und wie automatisierte Entscheidungen getroffen werden.
- Widerspruchsrecht einräumen: Implementieren Sie einen Prozess, der es Betroffenen ermöglicht, eine automatisierte Entscheidung von einem Menschen überprüfen zu lassen.
- Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) abschliessen: Stellen Sie sicher, dass Sie mit allen externen Dienstleistern (z.B. Cloud-Anbietern oder ML-Tool-Anbietern) DSGVO-konforme Verträge geschlossen haben.
An welchen 3 Signalen erkenne ich, dass meine bisherigen Reports nicht mehr ausreichen?
Viele Unternehmen verlassen sich auf wöchentliche oder monatliche Reports aus Excel oder ihrem ERP-System. Diese rückblickenden Berichte sind nützlich, um die Vergangenheit zu verstehen, aber sie haben entscheidende Schwächen, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten. Irgendwann kommt der Punkt, an dem diese traditionellen Methoden an ihre Grenzen stossen und Ihr Wachstum aktiv behindern. Es gibt drei klare Signale, die Ihnen zeigen, dass es Zeit für einen Wechsel ist.
Das erste Signal ist eine zunehmende Häufigkeit von Fehlbeständen und „Ladenhütern“. Wenn Sie trotz sorgfältiger Planung regelmässig entweder zu wenig Ware auf Lager haben und Kunden enttäuschen (Fehlbestände) oder am Ende der Saison auf unverkauften Produkten sitzen bleiben (Überbestände), ist das ein klares Zeichen. Laut einer Studie der IHL Group verursachen Fehlbestände weltweit Umsatzverluste von 634 Milliarden Dollar jährlich. Ihre Excel-Tabelle kann die wachsende Komplexität von Saisonalität, Trends und externen Faktoren einfach nicht mehr abbilden.
Das zweite Signal ist, dass Ihr Team mehr Zeit mit der Datensammlung als mit der Analyse verbringt. Wenn Ihre Marketing- oder Vertriebsmitarbeiter Stunden damit zubringen, Daten aus verschiedenen Quellen manuell zusammenzufügen, um einen einzigen Report zu erstellen, ist Ihr Prozess ineffizient. Machine-Learning-gestützte Systeme können diese Aufgabe automatisieren und Ihrem Team die Freiheit geben, sich auf strategische Entscheidungen zu konzentrieren, anstatt Daten zu jonglieren.
Momentan berechnen wir für unsere Kunden um die zehn Milliarden Prognosen pro Tag. Die Prognose unterstützt ausnahmebasierte Arbeitsmodelle und warnt Analysten rechtzeitig.
– Relex Solutions, BigData Insider
Das dritte und vielleicht wichtigste Signal: Ihre Marketingkampagnen fühlen sich wie ein Glücksspiel an. Sie schalten Anzeigen und hoffen das Beste, anstatt gezielt die Kundensegmente anzusprechen, die am wahrscheinlichsten konvertieren. Wenn Sie keine datengestützte Antwort auf die Frage „Welchem Kunden zeige ich welches Angebot zu welchem Zeitpunkt?“ haben, verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl – eine Strategie, die bei wachsender Komplexität des Marktes zwangsläufig an ihre Grenzen stösst.
Wie konfiguriere ich Google Analytics 4 und Consent-Banner so, dass ich DSGVO-konform bleibe?
Google Analytics 4 (GA4) ist ein mächtiges, kostenloses Werkzeug, aber sein Einsatz in Deutschland erfordert höchste Sorgfalt in Bezug auf den Datenschutz. Die Zeiten, in denen man einfach einen Tracking-Code auf die Website kopieren konnte, sind endgültig vorbei. Eine nicht konforme Implementierung kann nicht nur zu unbrauchbaren Daten führen, sondern auch Abmahnungen und Bussgelder nach sich ziehen. Der Schlüssel liegt in der korrekten Konfiguration des Consent-Banners und der Implementierung des Google Consent Mode v2.
Das Grundprinzip lautet: Keine Daten ohne Zustimmung. Das GA4-Tag darf erst dann ausgelöst werden, wenn der Nutzer über das Cookie-Banner seine explizite und informierte Einwilligung gegeben hat. Dies wird am besten über den Google Tag Manager gesteuert, wo Sie Trigger so konfigurieren, dass sie auf die Zustimmung des Nutzers reagieren. Ein „Akzeptieren“-Button muss dabei genauso leicht erreichbar sein wie ein „Ablehnen“-Button – alles andere gilt als „Dark Pattern“ und ist unzulässig.
Der Google Consent Mode v2 ist eine weitere wichtige Komponente. Er ermöglicht es, auch bei einer Ablehnung des Nutzers aggregierte und anonymisierte Daten in Form von „Pings“ an Google zu senden. Dies hilft, Datenlücken in der Conversion-Modellierung zu schliessen, ohne die Privatsphäre des Nutzers zu verletzen. Die korrekte Implementierung der Parameter ad_user_data und ad_personalization ist hier entscheidend.
Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie die folgenden Schritte sorgfältig prüfen und umsetzen:
- Deutsche Consent-Tools verwenden: Setzen Sie auf etablierte und rechtssichere Lösungen wie Usercentrics oder Borlabs Cookie, die speziell für den deutschen Markt entwickelt wurden.
- Google Tag Manager Trigger konfigurieren: Stellen Sie sicher, dass Ihre GA4-Tags und andere Marketing-Tags nur nach expliziter Zustimmung im Consent-Tool feuern.
- Consent Mode v2 implementieren: Nutzen Sie die erweiterten Einstellungen, um die Datenübermittlung an Google basierend auf der Nutzereinwilligung zu steuern.
- IP-Anonymisierung dokumentieren: Obwohl die IP-Anonymisierung in GA4 standardmässig aktiviert ist, sollten Sie diesen Punkt in Ihrer Datenschutz-Dokumentation explizit erwähnen.
- Dark Patterns vermeiden: Gestalten Sie die „Alle akzeptieren“- und „Alle ablehnen“-Optionen auf Ihrem Banner optisch und funktional gleichwertig.
Wie erstelle ich eine Absatzprognose, wenn ich nur Excel und meine Kassendaten habe?
Eine der praktischsten Anwendungen von Predictive Analytics für KMUs ist die Absatzprognose. Und die gute Nachricht ist: Sie benötigen dafür nicht zwangsläufig eine teure Spezialsoftware. Mit Ihren historischen Verkaufsdaten und Microsoft Excel können Sie bereits erstaunlich genaue Vorhersagen erstellen. Der Prozess ist unkompliziert und lässt sich in wenigen Schritten umsetzen.
Der erste Schritt ist immer die Datenaufbereitung. Exportieren Sie Ihre Verkaufsdaten der letzten zwei bis drei Jahre aus Ihrem Kassensystem. Wichtig ist, dass die Daten sauber und konsistent sind: ein einheitliches Datumsformat, keine leeren Zellen und die Verkäufe pro Tag oder pro Woche aggregiert. Je besser die Qualität Ihrer historischen Daten, desto genauer wird Ihre Prognose sein.
Praxisbeispiel: Modehandel optimiert mit Excel-Prognose
Ein deutsches Modegeschäft nutzt Excel’s FORECAST.ETS-Funktion, um die Bestellungen für die Herbstsaison zu planen. Auf Basis von drei Jahren Verkaufshistorie und ergänzt durch externe Wetterdaten als zusätzliche Variable, prognostiziert das Tool den optimalen Mix aus schweren Mänteln und leichten Jacken. Das Ergebnis war eine Reduzierung der Ladenhüter nach Saisonende um 30 %, da die Bestellmengen deutlich präziser waren.
Sobald Ihre Daten vorbereitet sind, können Sie die eingebauten Prognosefunktionen von Excel nutzen. Eine einfache, aber effektive Methode ist die lineare Regression mit der SCHÄTZER-Funktion. Für komplexere Muster mit Saisonalität ist, wie bereits erwähnt, die FORECAST.ETS-Funktion (im Menü unter „Daten“ -> „Prognoseblatt“) die bessere Wahl. Sie können diesen Prozess mit den folgenden Schritten strukturieren:
- Datenbereinigung und -aggregation: Fassen Sie Ihre Verkäufe pro Tag in einer sauberen Tabelle zusammen (Spalte A: Datum, Spalte B: Umsatz/Menge).
- Prognoseblatt-Funktion nutzen: Markieren Sie Ihre Daten und wählen Sie in Excel „Daten“ > „Prognoseblatt“. Excel erkennt automatisch Muster und Saisonalität.
- Externe Faktoren ergänzen: Fügen Sie zusätzliche Spalten für bekannte Einflussfaktoren hinzu, z.B. eine Spalte für deutsche Feiertage (Wert 1 für einen Feiertag, 0 für einen normalen Tag) oder für Marketingaktionen.
- Prognose erstellen lassen: Excel erstellt ein neues Blatt mit der Prognose, einschliesslich eines Konfidenzintervalls, das Ihnen die Unsicherheit der Vorhersage anzeigt.
- Validierung durchführen: Vergleichen Sie die Prognose für die letzten vier Wochen mit den tatsächlich eingetretenen Verkaufszahlen. Dies gibt Ihnen ein Gefühl für die Genauigkeit Ihres Modells.
Das Wichtigste in Kürze
- Starten Sie klein: Nutzen Sie Excel und GA4 für eine „Minimum Viable Prediction“, anstatt auf teure Komplettlösungen zu setzen.
- Die DSGVO ist kein Hindernis, sondern ein Rahmen. Transparenz und dokumentierte Prozesse sind der Schlüssel zur Vermeidung von Bussgeldern.
- Der Wechsel von einfachen Wenn-Dann-Regeln zu Machine Learning ist ein gradueller Prozess, der von Ihrer Unternehmensgrösse und Komplexität abhängt.
Wie bestelle ich die richtige Menge Ware, sodass ich weder Ladenhüter noch Fehlbestände habe?
Die perfekte Bestellmenge zu finden, ist die Königsdisziplin im Handel. Zu viel bestellt führt zu kostspieligen Ladenhütern, die Kapital binden und Rabattaktionen erfordern. Zu wenig bestellt führt zu leeren Regalen und enttäuschten Kunden, die zur Konkurrenz gehen. Dieses Dilemma verschärft sich in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, in denen das Kaufverhalten noch unberechenbarer wird. Der aktuelle GfK-Konsumklima-Index zeigt, dass deutsche Verbraucher tendenziell mehr sparen und gezielter einkaufen, was eine präzise Lagerplanung noch wichtiger macht.
Eine bewährte Methode, um hier Struktur zu schaffen, ist die ABC-Analyse. Sie segmentiert Ihr Produktsortiment nach dessen Bedeutung für den Umsatz. A-Artikel sind Ihre „Stars“ – sie machen einen geringen Mengenanteil aus, aber einen hohen Anteil am Umsatz. C-Artikel sind die „Mitläufer“ – viele verschiedene Produkte, die aber einzeln wenig zum Umsatz beitragen. Diese Analyse ist eine hervorragende Vorstufe zum Machine Learning, da sie Ihnen hilft, Ihre Ressourcen zu priorisieren.
Für Ihre A-Artikel lohnt sich der Einsatz von präzisen Machine-Learning-Prognosen am meisten, da hier jeder Fehler teuer ist. Für C-Artikel hingegen reichen oft einfache Lagerhaltungsregeln (z.B. „immer 5 Stück auf Lager haben“). So fokussieren Sie Ihre Analyse-Aufwände dort, wo sie den grössten Hebel haben.
| Kategorie | Wertanteil | Mengenanteil | ML-Einsatz | Prognosemethode |
|---|---|---|---|---|
| A-Artikel | 70-80% | 10-20% | Priorität 1 | Machine Learning |
| B-Artikel | 15-20% | 30-40% | Optional | Statistische Verfahren |
| C-Artikel | 5-10% | 40-60% | Nicht nötig | Einfache Lagerregeln |
Durch die Kombination der ABC-Analyse mit den zuvor besprochenen Prognosemethoden in Excel schaffen Sie ein robustes System. Sie können für Ihre Top-Produkte detaillierte Vorhersagen erstellen und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand für weniger wichtige Artikel gering halten. So bewegen Sie sich schrittweise von einer reaktiven Bestellpolitik zu einer proaktiven, datengestützten Bestandssteuerung, die sowohl Kosten senkt als auch die Kundenzufriedenheit erhöht.
Beginnen Sie noch heute damit, diese praxiserprobten Methoden anzuwenden, um Ihre Kundenanalyse zu transformieren und Ihre Conversion-Rate nachhaltig zu steigern.