
Lange Fahrzeiten und Ärztemangel auf dem Land müssen nicht bedeuten, auf eine notwendige fachärztliche Versorgung zu verzichten.
- Telemedizin ist eine sichere digitale Brücke, die Ihnen den Zugang zu in Deutschland zertifizierten Fachärzten direkt nach Hause ermöglicht.
- Ein hybrides Modell aus gezielten Praxisbesuchen für Erstdiagnosen und flexiblen Videosprechstunden für die Nachsorge sichert die Behandlungsqualität.
Empfehlung: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über einen persönlichen Versorgungsplan und nutzen Sie lokale Hilfsangebote wie Apotheken für den technischen Einstieg.
Ihr Hausarzt hat Ihnen eine Überweisung zum Kardiologen ausgestellt. Das ist wichtig. Doch die nächste Praxis ist 60 Kilometer entfernt, ein Termin erst in drei Monaten frei und die Fahrt dorthin beschwerlich. Diese Situation kennen viele Menschen in ländlichen Regionen Deutschlands, von der bayerischen Provinz bis in die Uckermark. Die logistischen Hürden führen oft dazu, dass wichtige Arztbesuche aufgeschoben oder ganz vermieden werden – mit potenziell ernsten gesundheitlichen Folgen. Man fragt sich unweigerlich: Muss das sein im 21. Jahrhundert?
Die landläufige Antwort lautet oft: „Versuchen Sie es doch mal mit Telemedizin.“ Doch diese gut gemeinte Empfehlung löst bei vielen eher Unbehagen aus. Kann ein Gespräch am Bildschirm einen echten Arzt ersetzen? Ist die Technik nicht viel zu kompliziert? Und was ist mit meinen sensiblen Gesundheitsdaten? Diese Bedenken sind berechtigt und müssen ernst genommen werden. Doch was, wenn die Lösung nicht „entweder oder“, sondern „sowohl als auch“ lautet? Was, wenn Telemedizin kein Ersatz, sondern eine intelligente digitale Brücke ist, die genau diese 60 Kilometer zwischen Ihnen und dem Facharzt überwindet?
Dieser Artikel, aus der Sicht Ihres Landarztes geschrieben, zeigt Ihnen, wie Sie diese Brücke sicher und souverän betreten. Es geht nicht darum, ein Technik-Experte zu werden. Es geht darum, die digitalen Möglichkeiten als Teil eines hybriden Versorgungsmodells zu verstehen, das Ihnen Sicherheit gibt und Ihre Gesundheit in den Mittelpunkt stellt. Wir werden klären, wann eine Videosprechstunde sinnvoll ist, wie Sie diese ohne Stress meistern, woran Sie sichere Anbieter erkennen und wie digitale Helfer wie Diabetes-Apps Ihre Behandlung konkret verbessern können.
In diesem Leitfaden finden Sie praxiserprobte Antworten und Anleitungen, die Ihnen helfen, die ärztliche Versorgung zu erhalten, die Sie benötigen – ganz gleich, wo Sie wohnen. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir gemeinsam besprechen werden.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur telemedizinischen Versorgung auf dem Land
- Warum fahren Sie nicht zum Kardiologen, obwohl Ihr Hausarzt es dringend empfiehlt?
- Wie buche und führe ich eine Videosprechstunde durch, wenn ich nicht technikaffin bin?
- Soll ich mit meinen Knieschmerzen zum Orthopäden fahren oder reicht eine Videokonsultation?
- Warum sollte ich sensible Symptome nicht über Zoom besprechen?
- Wie oft sollte ich als Diabetiker telemedizinisch betreut werden: wöchentlich, monatlich?
- Wie bekomme ich eine Diabetes-App vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet?
- Wie kombiniere ich Gentest, Blutwerte und Lifestyle-Daten zu einem sinnvollen Vorsorgefahrplan?
- Wie verbessere ich meine Diabeteseinstellung mit einer DiGA, die meine Krankenkasse bezahlt?
Warum fahren Sie nicht zum Kardiologen, obwohl Ihr Hausarzt es dringend empfiehlt?
Die Überweisung liegt auf dem Küchentisch, aber der Gedanke an die lange Fahrt, die Parkplatzsuche und die Wartezeit fühlt sich wie eine unüberwindbare Hürde an. Diese „Besuchs-Müdigkeit“ ist keine Nachlässigkeit, sondern eine reale Belastung. Sie opfern einen ganzen Tag, haben Kosten und organisatorischen Aufwand für einen vielleicht 20-minütigen Termin. Viele schieben den Besuch deshalb auf, in der Hoffnung, dass sich die Beschwerden von selbst bessern. Doch gerade bei kardiologischen Anliegen ist Zeit ein kritischer Faktor.
Hier kommt der entscheidende Perspektivwechsel: Telemedizin bedeutet nicht, dass Sie nie wieder einen Arzt persönlich sehen. Es geht um ein hybrides Versorgungsmodell. Der erste, grundlegende Termin beim Kardiologen mit EKG, Herz-Ultraschall und ausführlicher körperlicher Untersuchung bleibt unerlässlich. Doch für die wichtigen Folgetermine – die Besprechung von Blutwerten, die Anpassung von Medikamenten oder die Klärung von Fragen – müssen Sie nicht jedes Mal die 60 Kilometer auf sich nehmen. Diese Nachsorge kann hervorragend per Videosprechstunde erfolgen.
Dieses Vorgehen ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Plattformen wie TeleClinic, bei denen ausschliesslich in Deutschland niedergelassene und approbierte Ärzte behandeln, haben sich etabliert. Die Akzeptanz wächst rasant und zeigt, dass die digitale Brücke zur Versorgungssicherheit beiträgt. Es geht darum, die physische Untersuchung dort zu nutzen, wo sie unersetzlich ist, und die digitale Kommunikation für alles andere, um Ihre Behandlung kontinuierlich und ohne grosse Hürden sicherzustellen. So wird aus der gefürchteten Pflicht eine handhabbare Routine.
Wie buche und führe ich eine Videosprechstunde durch, wenn ich nicht technikaffin bin?
Die grösste Sorge vieler Patienten ist nicht die medizinische Qualität, sondern die Technik. „Was, wenn ich den Link nicht finde?“, „Was, wenn meine Kamera nicht funktioniert?“ Diese Ängste sind verständlich, doch Sie sind damit nicht allein. Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung und dem Wissen, dass es ein Unterstützungsnetzwerk gibt. Sie müssen das nicht im Alleingang schaffen. Oft können Familienmitglieder oder Nachbarn bei der ersten Einrichtung helfen. Es ist absolut legitim, um diese Starthilfe zu bitten.
Darüber hinaus entsteht eine neue, wichtige Infrastruktur direkt vor Ihrer Haustür. Immer mehr Landapotheken und Gemeindezentren richten sogenannte Telemedizin-Stelen oder -Kabinen ein. Dort hilft Ihnen geschultes Personal, die Verbindung zum Arzt sicher herzustellen. Sie können in einer vertrauten Umgebung und mit direkter menschlicher Unterstützung Ihre erste Videosprechstunde erleben. Fragen Sie in Ihrer lokalen Apotheke einfach mal nach solchen Angeboten.

Wie die Abbildung zeigt, geht es um die Verbindung von Mensch und Technik. Der persönliche Ansprechpartner vor Ort nimmt Ihnen die technische Last ab, sodass Sie sich voll und ganz auf das Gespräch mit dem Arzt konzentrieren können. Ein ruhiger Raum, eine stabile Internetverbindung und eine Liste mit Ihren Fragen sind die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Termin. Für die eigenständige Vorbereitung zu Hause gibt Ihnen die folgende Checkliste eine klare Struktur an die Hand.
Ihr Plan für die erste Videosprechstunde
- Kontaktpunkte definieren: Klären Sie, was Sie benötigen. In der Regel reicht ein Smartphone, Tablet oder Computer mit Kamera, Mikrofon und Internetzugang. Testen Sie diese einen Tag vorher.
- Informationen sammeln: Legen Sie alle relevanten Unterlagen bereit. Dazu gehören Ihre Medikamentenliste, eventuelle Vorbefunde und eine Notiz zu Ihren aktuellen Symptomen.
- System-Check durchführen: Prüfen Sie Ihre Umgebung. Sitzen Sie in einem ruhigen, gut beleuchteten Raum? Eine Lichtquelle von vorne ist ideal, um gut sichtbar zu sein.
- Fragen vorbereiten: Schreiben Sie Ihre wichtigsten Anliegen auf. Das gibt Ihnen Sicherheit und stellt sicher, dass Sie im Gespräch nichts Wichtiges vergessen.
- Umgebung sicherstellen: Wählen Sie einen Ort, an dem Ihre Privatsphäre gewahrt ist und Sie ungestört sprechen können. Schliessen Sie die Tür und informieren Sie Ihre Familie.
Soll ich mit meinen Knieschmerzen zum Orthopäden fahren oder reicht eine Videokonsultation?
Das Knie zwickt seit Wochen, aber ist es schlimm genug für eine lange Fahrt zum Orthopäden? Diese Abwägung ist schwierig. Eine Videokonsultation kann hier eine hervorragende erste Anlaufstelle sein, um die Dringlichkeit einzuschätzen. Sie ist ideal für die Besprechung chronischer Beschwerden bei bekannter Diagnose, für die Verlaufskontrolle nach einer OP oder zur Einholung einer Zweitmeinung. Der Arzt kann Sie per Video anleiten, bestimmte Bewegungen auszuführen, um die Funktion und Schmerzpunkte einzugrenzen.
Allerdings gibt es klare Grenzen. Bei akuten Verletzungen, zum Beispiel nach einem Sturz, neuen, unerträglichen Schmerzen, starker Schwellung, Rötung oder Fieber ist ein Praxisbesuch unerlässlich. Dies sind „Red Flags“, die eine sofortige körperliche Untersuchung erfordern. Ebenso sind bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT sowie Behandlungen wie Injektionen oder Punktionen nur vor Ort möglich. Die folgende Tabelle dient als Entscheidungshilfe.
Diese Übersicht hilft Ihnen, eine erste Einschätzung zu treffen, wie eine aktuelle Analyse zur Telemedizin bestätigt.
| Kriterium | Videokonsultation geeignet | Praxisbesuch erforderlich |
|---|---|---|
| Art der Beschwerden | Chronische Schmerzen, bekannte Diagnose | Akuter Unfall, neue starke Schmerzen |
| Red Flags | Keine Warnsignale vorhanden | Starke Schwellung, Fieber, Unfähigkeit zur Belastung |
| Diagnostik | Beratung, Bewegungstests per Video möglich | Röntgen/MRT erforderlich, manuelle Untersuchung nötig |
| Behandlung | Schmerzmedikation, Physiotherapie-Überweisung | Injektion, Punktion, operative Eingriffe |
Ein grosser Vorteil der Videosprechstunde ist auch die unkomplizierte Organisation der Weiterbehandlung. Stellt der Arzt fest, dass Sie eine Physiotherapie benötigen oder eine Krankschreibung brauchen, kann er diese Dokumente direkt digital ausstellen und Ihnen per App oder E-Mail zusenden. So sparen Sie sich einen weiteren Weg und können direkt die nächsten Schritte einleiten.
Warum sollte ich sensible Symptome nicht über Zoom besprechen?
In einer Welt, in der wir private Gespräche über Dienste wie Zoom, Skype oder WhatsApp führen, liegt der Gedanke nahe, diese auch für den Arztkontakt zu nutzen. Doch hier ist äusserste Vorsicht geboten. Diese kommerziellen Plattformen sind nicht für den Austausch sensibler Gesundheitsdaten konzipiert. Ihr Arzt würde Sie auch nicht in einem belebten Café behandeln. Die digitale Sprechstunde erfordert ein ebenso geschütztes Umfeld.
Der entscheidende Faktor ist die Datensouveränität. Sie müssen die Gewissheit haben, dass Ihr Gespräch vertraulich bleibt. Deshalb dürfen Arztpraxen in Deutschland nur speziell zertifizierte Videodienstanbieter nutzen. Diese müssen strenge Auflagen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfüllen. Mittlerweile sind laut der aktuellen Liste der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mehr als 50 solcher Dienste zugelassen, was Ihnen eine breite und sichere Auswahl bietet.
Doch was macht diese Plattformen so sicher? Ein Fachbeitrag fasst die Kernanforderungen gut zusammen:
Die genutzte Videoplattform muss von der KBV zertifiziert sein und den Anforderungen der DSGVO entsprechen. Dazu zählen etwa Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Serverstandorte in der EU und eine stabile Verbindung.
– Nelly Blog Redaktion, Telemedizin Deutschland: Alle Infos, Anbieter & Apps (2025)
Diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet, dass nur Sie und Ihr Arzt den Inhalt des Gesprächs kennen – niemand sonst kann mithören. Der Serverstandort in der EU stellt sicher, dass Ihre Daten unter den strengen europäischen Datenschutzgesetzen verbleiben. Wenn Ihnen ein Arzt eine Videosprechstunde anbietet, können und sollten Sie immer fragen, ob der genutzte Dienst KBV-zertifiziert ist. Das ist Ihr gutes Recht und ein Zeichen für die Professionalität der Praxis.
Wie oft sollte ich als Diabetiker telemedizinisch betreut werden: wöchentlich, monatlich?
Als Mensch mit Diabetes wissen Sie: Ein gutes Management der Erkrankung ist keine einmalige Sache, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Regelmässige Kontrollen sind essenziell, aber die quartalsweisen Besuche beim Diabetologen fühlen sich oft wie zu grosse Sprünge an. Dazwischen liegen Wochen, in denen Blutzuckerwerte schwanken und Fragen zur Ernährung oder Medikation aufkommen. Genau hier entfaltet die Telemedizin ihre grösste Stärke: Sie ermöglicht eine engmaschigere und bedarfsgerechtere Betreuung.
Der optimale Rhythmus ist eine Kombination aus physischen und digitalen Terminen. Das klassische Quartalstreffen in der Praxis bleibt wichtig für die Bestimmung des HbA1c-Wertes und die jährliche Fussuntersuchung. Ergänzt wird dies durch kurze, monatliche Videotermine. In diesen 15-minütigen Gesprächen können Sie mit Ihrem Arzt die Blutzuckerprotokolle der letzten Wochen besprechen, Trends erkennen und die Medikation feinjustieren, ohne dafür eine weite Anreise in Kauf nehmen zu müssen.
Moderne Diabetes-Apps, sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie übertragen Ihre Werte automatisch an die Praxis. So kann Ihr Arzt proaktiv handeln: Stellt das System kritische Werte fest, kann eine kurzfristige Kontaktaufnahme innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Diese Kombination aus Routine-Checks und bedarfsgerechter Intervention schafft eine neue Versorgungssicherheit. Der Trend ist eindeutig, wie der aktuelle DiGA-Report der Techniker Krankenkasse zeigt, der eine steigende Zahl von Verschreibungen für digitale Anwendungen bei Diabetes und Übergewicht verzeichnet.
Ein optimaler Betreuungsrhythmus könnte so aussehen:
- Quartalstermine in der Praxis: Für grundlegende Untersuchungen (HbA1c, Füsse).
- Monatliche Video-Kurztermine: Zur Besprechung der Werte und Anpassung der Therapie.
- Wöchentliche Datenübertragung: Automatische Übermittlung der Blutzuckerwerte per App.
- Bei Bedarf: Proaktive Kontaktaufnahme durch den Arzt bei kritischen Werten oder zusätzliche Video-Konsultationen mit Ernährungsberatern.
Wie bekomme ich eine Diabetes-App vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet?
Eine „App auf Rezept“ – was vor wenigen Jahren noch undenkbar klang, ist heute in Deutschland Realität. Diese Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind mehr als nur Lifestyle-Apps. Sie sind geprüfte Medizinprodukte, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen werden. Für Menschen mit Diabetes bieten sie eine enorme Erleichterung im Alltag. Doch wie kommt man an eine solche DiGA?
Der Prozess ist überraschend unkompliziert und bewusst so gestaltet, dass er für jeden zugänglich ist. Sie benötigen keine besondere technische Affinität. Der wichtigste erste Schritt ist das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin. Wenn Sie gemeinsam zu dem Schluss kommen, dass eine bestimmte Diabetes-App für Sie sinnvoll ist, kann Ihr Arzt Ihnen ein spezielles Rezept dafür ausstellen. Es handelt sich dabei um das bekannte rosa Rezeptformular (Muster 16), nur eben für eine digitale Anwendung.
Mit diesem Rezept beginnt der einfache administrative Teil. Sie müssen es nur bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Das geht heutzutage meist auf mehreren Wegen: klassisch per Post, über die Service-Stelle vor Ort oder am einfachsten digital über die App Ihrer Krankenkasse. Die Kasse prüft das Rezept und sendet Ihnen daraufhin einen persönlichen Freischaltcode zu. Dieser Code ist der Schlüssel zu Ihrer App. Der gesamte Prozess ist klar strukturiert:
- Arztgespräch: Besprechen Sie die passende DiGA und lassen Sie sich ein Rezept (Muster 16) ausstellen.
- Rezept einreichen: Senden Sie das Rezept an Ihre Krankenkasse (per App, Post oder persönlich).
- Code erhalten: Ihre Kasse schickt Ihnen innerhalb weniger Tage einen Freischaltcode.
- App herunterladen: Laden Sie die verordnete App aus dem offiziellen App Store auf Ihr Smartphone.
- App aktivieren: Geben Sie den erhaltenen Code in der App ein, um die Vollversion freizuschalten.
Die Verordnung gilt in der Regel für 90 Tage. Sind Sie und Ihr Arzt mit dem Ergebnis zufrieden, kann problemlos eine Folgeverordnung ausgestellt werden. So wird die digitale Unterstützung zu einem festen und von der Kasse bezahlten Bestandteil Ihrer Therapie.
Wie kombiniere ich Gentest, Blutwerte und Lifestyle-Daten zu einem sinnvollen Vorsorgefahrplan?
Wir leben in einer Zeit des Datenreichtums. Fitness-Tracker messen unsere Schritte, Apps protokollieren unsere Ernährung, Blutwerte geben Einblicke in unseren Stoffwechsel und kommerzielle Gentests versprechen, unsere gesundheitlichen Veranlagungen zu entschlüsseln. Doch diese Fülle an Informationen kann schnell überfordern. Wie wird aus diesem Datenwust ein sinnvoller, persönlicher Vorsorgefahrplan? Allein ist das kaum zu bewältigen. Hier kann ein telemedizinisch beratender Arzt zu Ihrem persönlichen Gesundheitslotsen werden.
Zunächst ist es wichtig, die verschiedenen Datenquellen richtig einzuordnen. Gerade bei Gentests gibt es einen wesentlichen Unterschied, der oft zu Missverständnissen führt. Frei verkäufliche Lifestyle-Gentests sind nicht mit medizinisch-diagnostischen Tests zu verwechseln, die dem strengen Gendiagnostikgesetz (GenDG) unterliegen und eine ärztliche Aufklärung erfordern. Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht die Unterschiede.
Diese Unterscheidung ist fundamental für die Interpretation der Ergebnisse, wie auch Fachportale wie Diabetologie Online in ihren Analysen betonen.
| Kriterium | Lifestyle-Gentest | Medizinischer Test (GenDG) |
|---|---|---|
| Rechtlicher Status | Frei verkäuflich | Ärztliche Aufklärung erforderlich |
| Aussagekraft | Tendenzaussagen, Wahrscheinlichkeiten | Diagnostische Relevanz |
| Interpretation | Oft missverständlich ohne Expertise | Fachärztliche Einordnung |
| Telemedizin-Eignung | Ideal für Nachbesprechung | Erstaufklärung persönlich, Folgeberatung per Video |
Ein Arzt kann in einer Videosprechstunde diese verschiedenen Puzzleteile – Ihre Blutwerte vom Hausarzt, Ihre Aktivitätsdaten vom Smartphone und die Tendenzaussagen eines Lifestyle-Gentests – zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Er kann Ihnen helfen, relevante von irrelevanten Informationen zu trennen, falsche Schlussfolgerungen zu vermeiden und konkrete, auf Sie zugeschnittene Empfehlungen für Ernährung, Bewegung und weitere Vorsorgeuntersuchungen abzuleiten. So wird aus losen Datenpunkten ein echter, umsetzbarer Plan für Ihre Gesundheit.
Das Wichtigste in Kürze
- Hybride Versorgung ist der Schlüssel: Kombinieren Sie gezielte Praxisbesuche für Erstdiagnosen mit flexiblen Videosprechstunden für die Nachsorge, um die Behandlungsqualität ohne lange Fahrten zu sichern.
- Sicherheit geht vor: Nutzen Sie ausschliesslich KBV-zertifizierte Videodienste, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Datenschutz nach deutschen Standards garantieren. Fragen Sie im Zweifel immer in der Praxis nach.
- Hilfe ist verfügbar: Sie müssen die Technik nicht allein meistern. Bitten Sie Familie um Starthilfe oder nutzen Sie Unterstützungsangebote wie Telemedizin-Stelen in lokalen Apotheken.
Wie verbessere ich meine Diabeteseinstellung mit einer DiGA, die meine Krankenkasse bezahlt?
Eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) auf Rezept zu haben, ist der erste Schritt. Der zweite, entscheidende Schritt ist, sie zu einem echten Partner in Ihrer Therapie zu machen. Eine gute Diabetes-App ist weit mehr als ein digitales Tagebuch. Sie ist ein intelligentes Werkzeug, das Ihnen hilft, Muster zu erkennen, Ihre Therapie besser zu verstehen und Ihre Blutzuckerwerte aktiv zu steuern. Apps wie „mySugr“ enthalten beispielsweise einen Bolusrechner, der Ihnen die Berechnung der richtigen Insulindosis vor den Mahlzeiten erheblich erleichtert.
Der grösste Mehrwert entsteht, wenn Sie die DiGA als digitalen Zwilling Ihrer Therapie nutzen. Das bedeutet, Sie dokumentieren nicht nur für sich, sondern schaffen eine gemeinsame Datenbasis für Sie und Ihren Arzt. Indem Sie Ihrem Arzt den Zugriff auf Ihre Daten freigeben, kann dieser in der Videosprechstunde die von der App visualisierten Trends – etwa den Einfluss von bestimmten Mahlzeiten oder sportlicher Aktivität – gemeinsam mit Ihnen analysieren. Diese datengestützte Beratung ermöglicht eine viel präzisere Anpassung Ihrer Medikation und Ihres Lebensstils.
Die Zufriedenheit mit diesem Ansatz ist hoch. Eine aktuelle AOK-Versichertenbefragung zeigt eine beachtliche Weiterempfehlungsrate unter den Nutzern von DiGAs. Patienten fühlen sich besser informiert und stärker in ihre eigene Behandlung eingebunden. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der konsequenten Nutzung und der offenen Kommunikation mit Ihrem Arzt. Sehen Sie die App nicht als Kontrollinstrument, sondern als Ihren persönlichen Assistenten, der Ihnen hilft, die täglichen Herausforderungen des Diabetes-Managements besser zu meistern.
Der Weg zur modernen, zugänglichen medizinischen Versorgung auf dem Land ist geebnet. Der wichtigste und zugleich einfachste Schritt, den Sie jetzt tun können, ist das Gespräch mit Ihrem Hausarzt. Besprechen Sie Ihre Situation, Ihre Bedenken und Ihre Wünsche für eine hybride Betreuung. Er ist Ihr erster und wichtigster Lotse in die Welt der digitalen Gesundheit.
Fragen und Antworten zur Videosprechstunde
Kann mein Angehöriger mit Vorsorgevollmacht die Videosprechstunde für mich organisieren?
Ja, mit einer gültigen Vorsorgevollmacht kann Ihr Angehöriger die Terminbuchung übernehmen. Der Klarname muss für die Praxis erkennbar sein. Die Videosprechstunde muss in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten.
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich mindestens?
Patienten benötigen neben dem Internetzugang einen PC, ein Tablet oder Smartphone mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher.