
Eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) ist weit mehr als eine App – sie ist ein persönlicher Therapie-Coach auf Rezept, dessen Kosten Ihre Krankenkasse vollständig übernimmt.
- Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der reinen Datenerfassung, sondern in der aktiven Verhaltensänderung durch personalisierte Empfehlungen.
- Das offizielle DiGA-Verzeichnis des BfArM garantiert geprüfte medizinische Wirksamkeit und strengen deutschen Datenschutz.
Empfehlung: Klären Sie mit Ihrem Arzt, welche DiGA für Ihre Diagnose (z. B. Diabetes Typ 2, Kennziffer E11) geeignet ist, um ein Rezept zu erhalten und die volle Unterstützung der Krankenkasse zu nutzen.
Sie nehmen Ihre Medikamente, versuchen, auf Ihre Ernährung zu achten und messen regelmässig Ihre Werte. Trotzdem zeigt Ihr HbA1c-Wert keine wirkliche Verbesserung. Diese Frustration kennen viele Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes. Man fühlt sich allein gelassen zwischen den Arztterminen, unsicher, ob die täglichen Bemühungen überhaupt etwas bewirken. Oft wird geraten, einfach „disziplinierter“ zu sein oder ein Ernährungstagebuch zu führen. Doch diese allgemeinen Ratschläge übersehen einen entscheidenden Punkt.
Was wäre, wenn die Lösung nicht in mehr Disziplin, sondern in intelligenterer, personalisierter Unterstützung liegt? Genau hier setzen digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, an. Diese „Apps auf Rezept“ sind keine simplen Lifestyle-Tracker aus dem App-Store. Sie sind zertifizierte Medizinprodukte, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde. Ihr eigentlicher Wert liegt nicht im Messen von Daten, sondern darin, Sie als digitaler Coach zu begleiten, Ihnen zu helfen, die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Werten zu verstehen und nachhaltige Verhaltensänderungen zu etablieren.
Dieser Artikel erklärt Ihnen nicht nur, wie Sie eine solche App von Ihrem Arzt verschrieben und von Ihrer Kasse zu 100 % erstattet bekommen. Er zeigt Ihnen vor allem, wie Sie eine DiGA strategisch nutzen, um Ihre Therapieziele zu erreichen. Wir beleuchten den Unterschied zu kostenlosen Apps, helfen Ihnen, den schmalen Grat zwischen nützlichem Monitoring und datengetriebenem Stress zu meistern und zeigen Ihnen, an welchen Signalen Sie erkennen, dass die digitale Hilfe allein nicht mehr ausreicht.
Die folgende Übersicht führt Sie durch die entscheidenden Fragen und Antworten, um das Potenzial digitaler Gesundheitsanwendungen für sich zu erschliessen und Ihre Therapie selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.
Sommaire: Ihr Wegweiser zur erfolgreichen Diabetes-Therapie mit einer App auf Rezept
- Warum ist Ihr HbA1c-Wert schlechter, obwohl Sie „meistens“ Ihre Medikamente nehmen?
- Wie bekomme ich eine Diabetes-App vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet?
- Soll ich eine kostenlose App aus dem App-Store nutzen oder eine verschreibungspflichtige DiGA?
- Warum messen Sie 10x täglich Ihren Blutdruck und sind gestresster als vorher?
- An welchen 4 Signalen erkenne ich, dass die App allein nicht mehr ausreicht?
- Wie buche und führe ich eine Videosprechstunde durch, wenn ich nicht technikaffin bin?
- Wie reduziere ich mein Herzinfarkt-Risiko in einem Jahr von hoch auf moderat – ohne radikale Diät?
- Wie erhalte ich qualifizierte ärztliche Beratung, wenn der nächste Facharzt 60 km entfernt ist?
Warum ist Ihr HbA1c-Wert schlechter, obwohl Sie „meistens“ Ihre Medikamente nehmen?
Das Gefühl ist zermürbend: Man bemüht sich, aber die Laborwerte spiegeln es nicht wider. Der Grund liegt oft nicht in böser Absicht, sondern in der sogenannten Therapie-Adhärenz – der konsequenten Einhaltung des gemeinsam mit dem Arzt festgelegten Therapieplans. Das Wörtchen „meistens“ ist hier der entscheidende Faktor. Schon kleine, unbewusste Abweichungen in der Ernährung, Bewegung oder Medikamenteneinnahme summieren sich und können den Langzeitzuckerwert (HbA1c) negativ beeinflussen. Es fehlt die direkte Rückmeldung, welche Handlung welche Konsequenz für den Blutzucker hat.
Genau diese Lücke füllen DiGA, indem sie als digitaler Coach fungieren. Sie protokollieren nicht nur, sondern decken Muster auf. Eine Studie zur DiGA esysta zeigte beispielsweise, dass eine konsequente Nutzung zu einer durchschnittlichen HbA1c-Senkung von 0,9 % führen konnte. Dies ist ein signifikanter Wert, der das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich senken kann. Der Erfolg basiert darauf, dass die App unsichtbare Zusammenhänge sichtbar macht und so die Motivation stärkt, dranzubleiben – nicht nur „meistens“, sondern jeden Tag.
Wie Dr. Torsten Schröder, Diabetologe und Mitgründer von Perfood, betont, liegt die Kraft in der Selbstermächtigung:
Bei allen Risiken rund um Diabetes mellitus Typ 2 gibt es eine gute Nachricht: Betroffene können es selbst in die Hand nehmen, den Diabetes über ihren Lebensstil und insbesondere über ihre Ernährung weitestgehend in den Griff zu bekommen. glucura zeigt ihnen wie ein persönlicher Kompass, wo es langgeht, und wie viel Spass das machen kann.
– Dr. Torsten Schröder, Diabetologe, Ernährungsmediziner und Mitgründer von Perfood
Eine DiGA ist also kein Kontrollinstrument, sondern ein Werkzeug, das Ihnen hilft, die Kontrolle über Ihre Erkrankung zurückzugewinnen, indem sie Ihnen die Auswirkungen Ihrer täglichen Entscheidungen verständlich macht.
Wie bekomme ich eine Diabetes-App vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet?
Der Weg zu einer digitalen Gesundheitsanwendung ist in Deutschland klar geregelt und unkomplizierter, als viele denken. Seit der Einführung des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf die Versorgung mit einer DiGA. Das ist kein Nischenprogramm mehr; bis Ende 2024 wurden in Deutschland bereits über 1 Million DiGA ärztlich verordnet oder von den Kassen genehmigt. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich zur Kostenübernahme verpflichtet, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Prozess ist standardisiert und folgt einem klaren Schema. Die zentrale Anlaufstelle ist das offizielle DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Nur die dort gelisteten Apps sind geprüft und erstattungsfähig. Die folgende Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess.

Für eine erfolgreiche Verordnung ist es hilfreich, sich bereits vor dem Arztbesuch zu informieren und eine oder zwei passende DiGA aus dem Verzeichnis herauszusuchen. Notieren Sie sich den Namen der App und die zugehörige Pharmazentralnummer (PZN), um Ihrem Arzt die Verordnung zu erleichtern. Bekannte DiGA für Diabetes Typ 2 sind beispielsweise Vitadio, glucura oder UnaHealth. Ein Rezept kann für eine Anwendungsdauer von in der Regel 90 Tagen ausgestellt werden.
Anleitung zur Beantragung Ihrer DiGA:
- Passende DiGA finden: Besuchen Sie das offizielle DiGA-Verzeichnis auf `diga.bfarm.de` und filtern Sie nach Ihrer Erkrankung (z.B. Diabetes).
- Arzttermin vereinbaren: Buchen Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt oder Diabetologen und notieren Sie sich den Namen der gewünschten DiGA.
- Diagnose bestätigen lassen: Der Arzt muss die passende Diagnose auf dem Rezept vermerken, für Diabetes Typ 2 ist dies meist die ICD-10-Kennziffer E11.
- Rezept erhalten: Der Arzt stellt Ihnen ein normales Kassenrezept (Muster 16) für die DiGA aus.
- Code bei Krankenkasse einreichen: Reichen Sie das Rezept bei Ihrer Krankenkasse ein (oft online per App oder per Post möglich). Sie erhalten daraufhin einen 16-stelligen Freischaltcode.
- App aktivieren: Laden Sie die App aus dem App-Store herunter und geben Sie den Freischaltcode ein. Die Kosten werden zu 100% übernommen.
Soll ich eine kostenlose App aus dem App-Store nutzen oder eine verschreibungspflichtige DiGA?
Angesichts tausender kostenloser Gesundheits-Apps stellt sich die Frage: Warum den Umweg über ein Rezept gehen? Die Antwort liegt in drei entscheidenden Unterschieden: medizinische Wirksamkeit, Datenschutz und Kostenübernahme. Während eine kostenlose App ein nützliches Tagebuch sein kann, ist eine DiGA ein geprüftes Medizinprodukt mit nachgewiesenem therapeutischem Nutzen. Sie durchläuft ein strenges Prüfverfahren durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), bevor sie in das offizielle Verzeichnis aufgenommen wird.
Diese Prüfung stellt sicher, dass die App nicht nur funktioniert, sondern auch einen positiven Versorgungseffekt hat – also nachweislich die Gesundheit der Patienten verbessert oder den Umgang mit der Krankheit erleichtert. Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt ist der Datenschutz. Viele kostenlose Apps werden von Unternehmen ausserhalb der EU betrieben und unterliegen nicht den strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Ihre sensiblen Gesundheitsdaten könnten auf unsicheren Servern landen oder für Werbezwecke genutzt werden. DiGA sind hingegen zur Einhaltung der DSGVO verpflichtet und garantieren einen hohen Schutz Ihrer Daten.
Schliesslich der Kostenfaktor: „Kostenlos“ bedeutet oft, dass das Produkt Sie und Ihre Daten sind. Viele Gratis-Apps finanzieren sich über Werbung oder teure In-App-Käufe für Premium-Funktionen. Die vereinbarten DiGA-Preise liegen bei durchschnittlich 226 Euro pro Quartal, werden aber vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der folgende Vergleich fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:
| Kriterium | Kostenlose App | DiGA (App auf Rezept) |
|---|---|---|
| Medizinische Prüfung | Keine Pflicht | BfArM-Zulassung erforderlich |
| Wirksamkeitsnachweis | Nicht erforderlich | Klinische Studien nachgewiesen |
| Datenschutz | Oft US-Server, unklar | DSGVO-konform, deutsche Server |
| Kosten | Oft versteckte In-App-Käufe | 100% Kassenerstattung |
| Ärztliche Begleitung | Keine | In Therapie eingebunden |
Die Entscheidung für eine DiGA ist also eine Entscheidung für geprüfte Qualität, Sicherheit und eine nahtlose Integration in Ihre bestehende ärztliche Behandlung, ohne versteckte Kosten.
Warum messen Sie 10x täglich Ihren Blutdruck und sind gestresster als vorher?
Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Kontrolle. Im Gegenteil, die ständige Selbstvermessung kann zu einem Phänomen führen, das man als „Daten-Ermüdung“ oder Mess-Stress bezeichnen könnte. Wer zehnmal am Tag den Blutdruck misst oder nach jeder Mahlzeit den Blutzucker, läuft Gefahr, sich in Details zu verlieren und von jeder kleinen Schwankung verunsichern zu lassen. Anstatt Sicherheit zu gewinnen, wächst der Stress. Die App wird vom Helfer zum Aufseher, und die Lebensqualität leidet unter der ständigen Beobachtung.
Gute digitale Gesundheitsanwendungen sind sich dieser Gefahr bewusst. Ihr Ziel ist nicht die maximale Datenerfassung, sondern die Etablierung nachhaltiger, gesunder Routinen. Sie setzen auf gezielte Interventionen und Coaching statt auf permanente Überwachung. Es geht darum, Muster zu erkennen und zu verstehen, anstatt auf einzelne Messwerte überzureagieren. Ein leicht erhöhter Wert nach einer Geburtstagsfeier ist kein Grund zur Panik, sondern eine erwartbare Reaktion des Körpers. Eine gute DiGA hilft Ihnen, dies einzuordnen und den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu legen.
Fallbeispiel: Das Vitadio 12-Monats-Programm zur Vermeidung von Überforderung
Die Diabetes-DiGA Vitadio ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Statt den Nutzer mit Aufgaben zu überfluten, entwickelt sich das Programm dynamisch mit den Fortschritten des Patienten. Die Aufgaben konzentrieren sich darauf, eine gesunde Routine im Selbstmanagement zu etablieren, ohne zu überfordern. Der Fokus liegt auf der schrittweisen Verhaltensänderung, nicht auf der Jagd nach perfekten Werten. Dieser Ansatz reduziert den Stress und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer langfristig am Ball bleibt und die Therapie erfolgreich ist.
Der Schlüssel liegt darin, die Technologie als das zu nutzen, was sie ist: ein Werkzeug zur Unterstützung. Sie sollte Ihnen helfen, ein besseres Verständnis für Ihren Körper zu entwickeln und gesunde Gewohnheiten zu festigen, nicht aber Ihr Leben kontrollieren. Setzen Sie auf Qualität statt Quantität der Messungen und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Messfrequenz in Ihrer Situation wirklich sinnvoll ist.
An welchen 4 Signalen erkenne ich, dass die App allein nicht mehr ausreicht?
Eine DiGA ist ein mächtiges Werkzeug, aber sie ist kein Allheilmittel und ersetzt nicht den Arzt. Es ist wichtig, die Grenzen der digitalen Unterstützung zu kennen und zu erkennen, wann professionelle Hilfe notwendig ist. Eine gewisse Abbruchrate von rund 25 % bei der Nutzung von DiGA zeigt, dass nicht jeder Patient auf Anhieb zurechtkommt oder den erwarteten Nutzen erfährt. Achten Sie auf die folgenden vier Warnsignale, die darauf hindeuten, dass Sie dringend das Gespräch mit Ihrem Arzt suchen sollten.

Diese Signale sind keine Kritik an der App, sondern wichtige Indikatoren dafür, dass Ihr Therapieplan möglicherweise angepasst werden muss. Betrachten Sie die DiGA als ein Frühwarnsystem, das Ihnen und Ihrem Arzt wertvolle Informationen liefert.
Vier Warnsignale, bei denen die DiGA an ihre Grenzen stösst:
- Stagnation oder Verschlechterung der Werte: Trotz konsequenter Nutzung der App über mehrere Wochen verbessern sich Ihre Messwerte (z.B. HbA1c, Blutdruck) nicht oder werden sogar schlechter. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass die medikamentöse Therapie angepasst werden muss.
- Auftreten neuer oder verstärkter Symptome: Sie bemerken neue körperliche Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Sehstörungen, Kribbeln in den Füssen oder schlecht heilende Wunden. Diese Symptome erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung.
- Zunehmender emotionaler Stress: Statt Sie zu entlasten, verursacht die App-Nutzung bei Ihnen permanenten Stress, Angst oder Schuldgefühle. Wenn die App zur psychischen Belastung wird, ist es Zeit für eine Pause und ein Gespräch mit Ihrem Arzt.
- Technische oder inhaltliche Überforderung: Sie kommen mit der Bedienung der App nicht zurecht oder die Fülle an Informationen und Aufgaben überfordert Sie. In diesem Fall kann der Arzt helfen, eine passendere DiGA oder alternative Therapieformen zu finden.
Ihr Audit-Plan: Wann ist eine Kurskorrektur nötig?
- Daten-Check: Exportieren Sie Ihren DiGA-Report. Zeigen die Trends der letzten 4 Wochen eine Besserung, Stagnation oder Verschlechterung Ihrer Hauptmesswerte?
- Symptom-Inventur: Notieren Sie alle neuen oder veränderten körperlichen und emotionalen Symptome seit Beginn der DiGA-Nutzung.
- Nutzungs-Analyse: Konnten Sie die Empfehlungen der App in Ihren Alltag integrieren? Wo gab es die grössten Hürden (Zeit, Motivation, Verständnis)?
- Ziel-Abgleich: Vergleichen Sie die aktuellen Werte mit den Zielwerten, die Sie mit Ihrem Arzt vereinbart haben. Wie gross ist die Lücke?
- Arztgespräch vorbereiten: Fassen Sie die Punkte 1-4 zusammen und formulieren Sie konkrete Fragen für Ihren nächsten Arzttermin.
Wie buche und führe ich eine Videosprechstunde durch, wenn ich nicht technikaffin bin?
Die Vorstellung, mit dem Arzt über einen Bildschirm zu sprechen, kann einschüchternd sein, besonders wenn man sich nicht als technikaffin bezeichnet. Doch die gute Nachricht ist: Videosprechstunden sind heute so konzipiert, dass sie möglichst einfach und zugänglich sind. Sie benötigen in der Regel nur ein Smartphone, Tablet oder einen Computer mit Kamera und Mikrofon. Es ist keine komplizierte Software-Installation nötig; meistens klicken Sie einfach auf einen Link, den Ihnen die Praxis zusendet.
Eine Videosprechstunde bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Daten aus Ihrer DiGA direkt mit dem Arzt zu besprechen. Viele Apps ermöglichen es, Berichte als PDF zu exportieren, die Sie vor dem Termin an die Praxis senden können. So kann sich der Arzt optimal vorbereiten und die digitale Therapie nahtlos in die Behandlung integrieren. Wie der Diabetologe Dr. Schubert-Olesen anmerkt, könnte die Zukunft sogar eine direkte Online-Anbindung der DiGA an die Praxissoftware bringen, was den Datenaustausch noch weiter vereinfacht.
Die Angst vor der Technik lässt sich am besten durch eine gute Vorbereitung überwinden. Nehmen Sie sich Zeit für einen Technik-Check und wählen Sie einen ruhigen Ort. Denken Sie daran: Es muss nicht alles perfekt sein. Ärzte sind mit den kleinen Tücken der Technik vertraut und haben Verständnis für Verbindungsprobleme oder Bedienungsfehler. Der Fokus liegt auf dem Gespräch, nicht auf der perfekten technischen Darbietung.
Ihr einfacher Weg zur ersten Videosprechstunde:
- Schritt 1: Praxis kontaktieren: Fragen Sie in Ihrer Arztpraxis aktiv nach der Möglichkeit einer Videosprechstunde und lassen Sie sich den Ablauf erklären.
- Schritt 2: Zugangsdaten erhalten: Die Praxis schickt Ihnen in der Regel einen Link und eventuell ein Passwort per E-Mail oder sogar per Post.
- Schritt 3: Technik-Check: Testen Sie etwa 30 Minuten vor dem Termin, ob Kamera und Mikrofon Ihres Geräts funktionieren. Die meisten Anbieter von Videosprechstunden haben eine Test-Seite.
- Schritt 4: Daten vorbereiten: Erstellen Sie einen aktuellen Report aus Ihrer Diabetes-App und halten Sie ihn bereit (oder senden Sie ihn vorab an die Praxis).
- Schritt 5: Ruhigen Ort wählen: Suchen Sie sich einen Platz mit gutem Licht und ohne Störgeräusche, damit Sie sich ganz auf das Gespräch konzentrieren können.
- Schritt 6: Termin starten: Klicken Sie kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt auf den zugesandten Link, um den virtuellen Warteraum zu betreten.
Wie reduziere ich mein Herzinfarkt-Risiko in einem Jahr von hoch auf moderat – ohne radikale Diät?
Ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist eine der gravierendsten Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes. Die gute Nachricht ist, dass Sie dieses Risiko massgeblich beeinflussen können, und zwar ohne Ihr Leben komplett auf den Kopf stellen zu müssen. Der Schlüssel liegt nicht in radikalen Diäten, die oft zum Scheitern verurteilt sind, sondern in der schrittweisen Etablierung von personalisierten Mikro-Gewohnheiten.
Anstatt von heute auf morgen auf alle Kohlenhydrate zu verzichten, geht es darum, kleine, aber wirksame Änderungen vorzunehmen, die zu Ihnen passen. Vielleicht ist es der Tausch von Weissbrot gegen Vollkornbrot zum Frühstück, ein 10-minütiger Spaziergang nach dem Mittagessen oder das Ersetzen eines zuckerhaltigen Getränks durch Wasser. Eine DiGA kann hier als persönlicher Stoffwechsel-Coach agieren. Sie hilft Ihnen zu entdecken, welche kleinen Änderungen bei Ihnen die grösste positive Wirkung auf Blutzucker und Blutdruck haben.
Fallbeispiel: Una Health und personalisierte Mikro-Gewohnheiten
Die DiGA Una Health setzt genau bei diesem Prinzip an. Basierend auf den individuellen Stoffwechselreaktionen des Nutzers gibt die App tägliche Unterstützung und das Wissen, um kleine, passende Änderungen vorzunehmen. Von der besten Frühstücksoption bis zu alltäglichen Entscheidungen – die App hilft, einen Lebensstil zu finden, der langfristig zu Verbesserungen führt, ohne das Gefühl von Verzicht und radikaler Einschränkung.
Das primäre Ziel ist die Verbesserung des HbA1c-Wertes. Laut Gesundheitsexperten wie denen der DAK-Gesundheit sollten erwachsene Typ-2-Diabetiker einen HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent anstreben, um das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant zu senken. Die Summe vieler kleiner, richtiger Entscheidungen, unterstützt durch eine intelligente DiGA, kann Sie diesem Ziel über den Zeitraum eines Jahres entscheidend näherbringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine DiGA ist ein zertifiziertes Medizinprodukt auf Rezept, dessen Kosten zu 100% von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
- Der Erfolg einer DiGA liegt nicht in der reinen Datensammlung, sondern im personalisierten Coaching zur schrittweisen Verhaltensänderung.
- Achten Sie auf Warnsignale wie stagnierende Werte oder emotionalen Stress, um zu erkennen, wann ärztlicher Rat zusätzlich zur App nötig ist.
Wie erhalte ich qualifizierte ärztliche Beratung, wenn der nächste Facharzt 60 km entfernt ist?
Gerade in ländlichen Regionen ist der Weg zum nächsten Diabetologen oder Kardiologen oft weit. Lange Wartezeiten auf Termine und beschwerliche Anfahrtswege erschweren eine engmaschige Betreuung. Dieser Umstand, bekannt als therapeutische Lücke, ist eine der grössten Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem, insbesondere angesichts der steigenden Zahl von chronisch Kranken. Eine Hochrechnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zeigt, dass im Jahr 2023 die Zahl von 8,9 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland erreicht wurde.
Digitale Gesundheitsanwendungen und Telemedizin sind hier keine Zukunftsmusik mehr, sondern eine konkrete Lösung, um diese Versorgungslücke zu schliessen. Eine DiGA fungiert als ständiger Begleiter, der die Zeit zwischen den Arztbesuchen überbrückt. Sie sammelt relevante Daten, gibt Feedback und hilft Ihnen, Ihre Therapieziele im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren. In Kombination mit Videosprechstunden ermöglicht sie eine qualifizierte ärztliche Beratung, auch über grosse Distanzen hinweg.
Diese hybride Form der Betreuung – die Kombination aus digitalem Selbstmanagement und telemedizinischer ärztlicher Kontrolle – wird die Versorgung von chronischen Erkrankungen in den kommenden Jahren prägen. Sie gibt Patienten mehr Autonomie und Sicherheit und entlastet gleichzeitig das Gesundheitssystem.
In Anbetracht der Tatsache, dass es zukünftig immer mehr Menschen mit Diabetes gibt, können DiGAs zunächst die Versorgungslücke schliessen, die sich aufgrund des Ärztemangels und der steigenden Anzahl von Diabetes-Patienten in den kommenden Jahren auftun wird.
– Prof. Dr. Peter Schwarz, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Wenn der nächste Facharzt weit entfernt ist, wird Ihre DiGA zu einem unverzichtbaren Bindeglied. Sie sorgt dafür, dass Ihr Arzt auch aus der Ferne ein klares Bild von Ihrem Gesundheitszustand hat und seine Beratung auf einer soliden Datenbasis fusst.
Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen das deutsche Gesundheitssystem bietet. Sprechen Sie aktiv mit Ihrem Arzt über eine passende digitale Gesundheitsanwendung, um Ihre Therapie selbstbestimmt zu gestalten und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.